ENTSORGUNGSKOSTEN SENKEN: 7 HEBEL MIT RECHENBEISPIELEN AUS DER PRAXIS

Ratgeber · Abfallmanagement

Wenn wir in einem Betrieb anfangen, bitten wir um drei Dinge: die Abfallbilanz der letzten Jahre, die Rechnungen und Verträge der Entsorger und einen Rundgang über das Gelände. Fast immer steckt darin mehr Potenzial, als man von außen vermutet. Das liegt nicht an den Verhandlungen. Entsorgung ist in den meisten Unternehmen ein Kostenblock, der zuverlässig bezahlt wird, aber selten die Aufmerksamkeit bekommt, die er inzwischen verdient.

Dabei lohnt sich das gerade jetzt. Die Verbrennungskapazitäten sind knapp, seit 2024 zahlt die Abfallverbrennung CO₂-Abgabe nach dem BEHG, und bei unseren Kunden ist der Restmüll in fünf Jahren um rund ein Drittel teurer geworden.

Wir haben die sieben Hebel zusammengestellt, die in unseren Projekten seit 2012 am häufigsten gezogen haben. Zu jedem gibt es ein Rechenbeispiel. Eine Bitte vorweg: Die Zahlen darin sind frei gewählt. Sie zeigen, wie man rechnet, nicht was etwas kostet. Entsorgungspreise hängen an Region, Menge, Qualität und Marktlage.

Vollkosten je Tonne kennen

Der Tonnenpreis im Angebot ist nur ein Teil dessen, was am Ende auf der Rechnung steht. Was Sie wirklich bezahlen, sehen Sie erst, wenn Sie alles zusammenrechnen:

Vollkosten je Tonne = (Behältermiete + Transporte + Verwertung + Zuschläge − Erlöse) ÷ Jahresmenge

Diese Zahl brauchen Sie je Fraktion für die letzten zwölf Monate. Die Daten stehen in Rechnungen, Wiegescheinen und Gutschriften, viele Entsorger stellen sie auch über ihr Kundenportal bereit. Danach wissen Sie, welche Fraktion wie viel vom Gesamtbudget ausmacht, und das ist oft nicht die, die man vermutet hätte.

Was in der Formel fehlt, sollten Sie trotzdem im Kopf haben: die eigenen Prozesskosten. Behälter zum Sammelplatz bringen, umfüllen, nachsortieren, Rechnungen prüfen. Das steht auf keiner Rechnung und taucht deshalb in keiner Auswertung auf. Zwanzig Minuten am Tag sind im Jahr rund 80 Stunden, also gut 3.000 Euro für eine einzige Fraktion. Bei jedem der folgenden Hebel lohnt die Frage, was er an interner Arbeit mitnimmt.

Logistik anpassen

Bei leichten, voluminösen Fraktionen wie Kartonage oder Folie machen Miete und Transport oft den größeren Teil der Kosten aus, nicht die Verwertung. Nehmen wir Kartonage, rund 20 Tonnen im Jahr, lose in einem 7-m³-Absetzcontainer, der wöchentlich getauscht wird. Eine ganz normale Lösung, die man auf vielen Höfen sieht.

PositionRechnungBetrag pro Jahr
Miete Absetzcontainer12 Monate × 40 €480 €
Tausch inkl. Verwertung52 Touren × 65 €3.380 €
Summe3.860 €
Menge52 × ca. 380 kg (lose)ca. 20 t
Vollkostenca. 195 €/t
Fiktive Werte zur Darstellung der Rechenlogik, nicht als Vergleichswerte geeignet.

Die Tour kostet gleich viel, egal wie viel im Container liegt, und lose Kartonage bringt in sieben Kubikmetern kaum 400 Kilo auf die Waage. Der Fahrer transportiert vor allem Luft. Der Hebel liegt also nicht im Verwertungspreis, sondern darin, weniger oft mehr abholen zu lassen.

Dieselbe Kartonage in einem Presscontainer mit Abholung nach Bedarf:

PositionRechnungBetrag pro Jahr
Miete Presscontainer12 Monate × 180 €2.160 €
Abholung und Tausch3 Abholungen × 150 €450 €
Vergütung gepresste Kartonage20 t × 50 €− 1.000 €
Summe1.610 €
Vollkostenca. 80 €/t
Fiktive Werte zur Darstellung der Rechenlogik, nicht als Vergleichswerte geeignet.

Rund 2.250 Euro im Jahr, und statt 52 Touren fährt der Entsorger drei, jede mit rund sieben Tonnen. Die Faustregel: Ein Presscontainer rechnet sich, sobald die gesparten Touren mehr kosten als seine Miete. Bei fünf Tonnen im Jahr ist das nicht der Fall, bei zwanzig schon.

Der Presscontainer ist aber nicht immer die beste Antwort. Bei einem Werk mit vielen Gebäuden, langen Wegen und vielleicht noch Höhenunterschieden oder Rampen muss das Material erst einmal zur Presse kommen, und das heißt: Jemand zieht es übers Gelände und jemand bedient die Presse. Hier ist eine Umleerertour oft die bessere Lösung. Die Behälter bleiben an den Gebäuden, der Entsorger fährt mit dem Umleerfahrzeug eine feste Runde über das Werk und leert direkt vor Ort. Intern bewegt niemand mehr etwas. Welche Variante passt, hängt an Menge, Wegen und Gebäudestruktur.

Wertstoffe getrennt erfassen

Die teuersten Abfälle sind die gefährlichen, gleich danach kommen die Mischfraktionen: gemischter Gewerbeabfall, Mischschrott, Mischspäne. Was in einer Mischfraktion liegt, wäre getrennt oft deutlich günstiger oder brächte sogar Geld. Dass getrennt gesammelt wird, verlangt § 3 GewAbfV ohnehin. Die Frage ist also weniger ob, sondern ab welcher Menge sich ein eigener Behälter trägt.

Zusatzkosten des Behälters pro Jahr < Menge × (Vollkosten in der Mischfraktion − Vollkosten getrennt)

Sagen wir, der gemischte Gewerbeabfall kostet voll gerechnet 250 Euro je Tonne, und Kartonage würde getrennt kostenneutral abgeholt. Ein eigener Behälter mit Leerungen kostet 900 Euro im Jahr. Dann liegt der Break-even bei 900 geteilt durch 250, also 3,6 Tonnen im Jahr oder etwa 70 Kilo Karton pro Woche. Darunter lohnt es sich nicht, auch nicht für den Entsorger.

Ein Beispiel aus einem laufenden Projekt: In einem Werk landet die Folie in der Mischfraktion, die dort je nach Entsorger 260 bis 290 Euro je Tonne kostet. Für saubere Folie gibt es am Markt zwischen 60 und 150 Euro Vergütung. Die Lücke liegt also bei 300 bis 400 Euro je Tonne. Blitzsauber muss sie nicht sein, Folie wird in Qualitäten wie 98/2 oder 90/10 gehandelt, bei denen ein Anteil Anhaftungen erlaubt ist.

Die Rechnung ist der leichte Teil. Der schwierige ist, dass die Trennung im Alltag hält. Dafür haben sich vier Dinge bewährt: Die Behälter stehen dort, wo der Abfall anfällt, nicht nur am zentralen Sammelplatz. Die Beschriftung sagt, was rein darf und was nicht, bei Bedarf in mehreren Sprachen. Die Reinigungsteams sind eingewiesen, weil über sie ein Großteil der Mengen läuft. Und für Lacke, Lösemittel und Ölreste gibt es einen eigenen Behälter mit einer klaren, mit dem Entsorger abgestimmten Regel.

Sorte und Material abgleichen

Metallschrott wird nach Sorten gehandelt, und die Sorte bestimmt das Preisniveau. Eine gemischte Fraktion wird dabei so bezahlt wie ihr schwächster Bestandteil. Sortenbezeichnungen beim Entsorger stammen oft aus der Zeit, als der Vertrag geschlossen wurde. Das Produktprogramm hat sich seitdem verändert, die Bezeichnung nicht.

Ein Beispiel: Die Späne laufen seit Jahren als Stahlspäne, inzwischen wird aber überwiegend Chromnickelstahl bearbeitet. Eine Materialanalyse kostet ein paar Hundert Euro. Was sie auslösen kann, zeigt die Rechnung:

SituationRechnungVergütung pro Jahr
Vorher: 120 t als Stahlspäne120 t × 150 €/t18.000 €
Nachher: 84 t Edelstahlspäne getrennt84 t × 700 €/t58.800 €
Nachher: 36 t Stahlspäne36 t × 150 €/t5.400 €
Differenz+ 46.200 €
Fiktive Werte zur Darstellung der Rechenlogik, nicht als Vergleichswerte geeignet.

Voraussetzung ist, dass die Qualitäten ab der Maschine getrennt bleiben. Das steht und fällt mit einer Kleinigkeit: Die Materialsorte muss im Fertigungsauftrag stehen, damit der Bediener weiß, in welche Mulde die Späne gehören. Dazu abschließbare Behälter und eine klare Regel für den Transport zum Sammelplatz.

Ein Fall aus einem laufenden Projekt: Ein Betrieb, der überwiegend hochlegierte Werkstoffe zerspant, sammelt in den Werken einen Behälter mit der Aufschrift Mischschrott. Dort landet alles, was nicht eindeutig zugeordnet ist, also Edelstahl, Titan, Aluminium. In der Entsorgungsbranche bedeutet Mischschrott aber gemischter eisenhaltiger Schrott, und genau das kam beim Entsorger auch an, weil am zentralen Sammelplatz Umreifungsbänder und Abbruchschrott dazukamen. Der Entsorger hat also korrekt vergütet, was er bekommen hat. Der Hebel liegt eine Stufe früher: Die hochwertigen Qualitäten gar nicht erst in den Mischbehälter geben. Bei den Mischspänen dasselbe Muster. Eine Festlegung von vor über zehn Jahren hatte sie als VA-Qualität definiert, seitdem hat sich das Produktprogramm mehrfach geändert. Beide Fraktionen in Vermarktungsqualitäten aufzuteilen, bringt dem Betrieb nach unserer Rechnung einen sechsstelligen Betrag im Jahr, ohne einen einzigen neuen Behälter. Die Behälter stehen schon daneben, und auf jedem Fertigungsauftrag steht die Legierung.

Dazu unsere feste Vorgabe für jedes Trennkonzept: Getrennt wird nach Vermarktungssorten, nicht nach Werkstoffnummern. Also Chromstahl, V2A, V4A, Titan, nicht jede Legierung einzeln. Nur so viel Sortenreinheit, wie sich im Alltag handhaben lässt und wie sie Geld bringt. Nach unserer Erfahrung funktioniert es nur so.

Abschlag und Abzüge verstehen

Metallspäne aus der Zerspanung in Nahaufnahme

Für Metallschrott gilt fast überall dieselbe Vergütungslogik:

Vergütung = Referenzpreis der Sorte − Abschlag − Abzüge

Der Referenzpreis kommt aus Preisspiegeln wie EUWID oder BDSV, bei NE-Metallen meist von der LME. Der Abschlag ist das, was der Entsorger für Abholung, Umschlag, Aufbereitung und seine Marge einbehält. Er ist legitim, er steht nur auf keiner Gutschrift. Bei reinen Sorten und großen Mengen gibt es statt eines Abschlags sogar Aufschläge. Abzüge kommen für Feuchte, Anhaftungen oder Fremdstoffe obendrauf.

Den Abschlag können Sie sehen, wenn Sie rückwärts rechnen: Referenzpreis minus erhaltene Vergütung. Hier am Beispiel Edelstahlspäne:

MonatReferenzpreis (Mittelwert)Gutschriftrechnerischer Abschlag
Januar900 €/t700 €/t200 €/t
Februar940 €/t720 €/t220 €/t
März980 €/t750 €/t230 €/t
April1.020 €/t770 €/t250 €/t
Fiktive Werte zur Darstellung der Rechenlogik, nicht als Vergleichswerte geeignet.

Interessant ist die Entwicklung. Hier wächst der Abschlag mit dem Markt, was auf eine prozentuale Vereinbarung hindeutet. Mit dieser Tabelle klären Sie das in einem kurzen Gespräch mit Ihrem Entsorger. Der Index bewegt sich, der Abschlag bleibt, und deshalb ist der Abschlag das, worüber man spricht, nicht der Tagespreis. Ein Blick in die EUWID-Notierung zeigt, wie stark der Index schwankt: V4A-Schrott stand im September 2018 bei rund 1.450 Euro je Tonne, im September 2026 bei rund 2.200 Euro.

Bei den Abzügen ist die Feuchte der größte Posten. Späne aus der Nassbearbeitung tragen Kühlschmierstoff mit sich, und dass dafür abgezogen wird, ist in Ordnung. Die Höhe ist aber meist eine Pauschale, und die tatsächliche Feuchte lässt sich im eigenen Prozess senken:

SituationRechnungBetrag pro Jahr
Feuchteabzug pauschal 8 % auf 100 t8 t × 700 €/t5.600 €
Nach Abtropfen und Zentrifuge, gemessen 3 %3 t × 700 €/t2.100 €
Differenz+ 3.500 €
Fiktive Werte zur Darstellung der Rechenlogik, nicht als Vergleichswerte geeignet.

Abtropfzeit, schräg gestellte Mulden mit Ablass, bei größeren Mengen eine Zentrifuge. Der Kühlschmierstoff bleibt im eigenen Kreislauf, und der Entsorger bekommt Material, das er direkt weiterverarbeiten kann. Ein typisches Bild aus der Praxis: Die Späneloren haben einen Ablasshahn, aber das Netz davor setzt sich zu, und ob das Kühlmittel abgelassen und zurückgeführt wird, entscheidet jeder Bediener selbst, weil es dafür keinen Standard gibt. Sobald der steht, ist das Thema erledigt.

Abfall gar nicht erst entstehen lassen

Der günstigste Abfall ist der, der nicht entsteht. Das klingt nach Kalenderspruch, aber dahinter steckt eine praktische Übung: im Controlling nicht nur in Euro, sondern auch in Kilo rechnen.

Ein Hersteller von Cremes kannte seine Einsatzkosten pro Tube auf den Cent genau. Was er nicht wusste: wie viele Kilo Rohstoff in den Mischbehälter gehen und wie viele Gramm davon in den Tuben ankommen. Als wir das gemeinsam nachgerechnet haben, fehlte bei jeder Charge ein spürbarer Anteil. Er blieb im Behälter hängen und ging mit dem Spülwasser in die Entsorgung. Heute holen angepasste Schaber das Material zurück ins Produkt.

In der Metallverarbeitung lässt sich derselbe Blick als Kennzahl führen:

Materialeffizienz-Quote = sortenrein erfasste Schrottmenge ÷ erwartete Schrottmenge

Die erwartete Menge ergibt sich aus dem Rohmaterialeinsatz laut ERP mal Zerspanungsanteil laut Arbeitsplan. Bei 100 Tonnen Einsatz und 40 Prozent Zerspanung müssten 40 Tonnen Späne anfallen. Werden 28 Tonnen sortenrein erfasst, liegt die Quote bei 70 Prozent. Die fehlenden 12 Tonnen liegen in Sammelfraktionen und werden dort zum Mischpreis bezahlt.

Diese Ausbeute je Werkstoff ist eine der wertvollsten Kennzahlen überhaupt. Liegt sie bei einem Werkstoff bei 60 Prozent und bei einem anderen bei 30, ist das zunächst nur eine Beobachtung. Der Unterschied kann im Zerspanungsgrad der Teile liegen, in der Sammlung oder in der Vermarktung. Aber jetzt gibt es eine Zahl, die man Monat für Monat verfolgen kann, und jede Abweichung ist ein Anlass, gemeinsam hinzuschauen. Bei Hartmetall, das derzeit weit über 10.000 Euro je Tonne bringt, lohnt sich zusätzlich der regelmäßige Abgleich zwischen Werkzeugeinkauf und Rückgabemenge. Abschließbare Behälter an der Anfallstelle und eine kleine Plattformwaage kosten wenig und machen den Wert sichtbar.

Und dann gibt es die Fragen, die in fast jedem Betrieb etwas zutage fördern. Wie viel Prozent des Stahlcoils landen im Teil? Lässt sich der Randverschnitt verringern, wenn die Teile auf der Platine anders liegen? Was macht die Linie mit dem geringsten Ausschuss anders? Der Abfallcontainer ist eine der ehrlichsten Kennzahlen, die ein Betrieb hat.

Auf Faktenbasis ausschreiben

Angebote von Entsorgern lassen sich nur vergleichen, wenn sie auf derselben Basis kalkuliert sind. Wie schnell das schiefgeht, zeigen zwei Angebote für Mischschrott:

Angebot AAngebot B
Vergütung250 €/t, Miete und Transport enthalten290 €/t
Behältermieteenthalten40 €/Monat
Abholungenthalten45 € je Abholung
Ergebnis bei 60 t/Jahr, 12 Abholungen15.000 €16.380 €
Ergebnis bei 20 t/Jahr, 12 Abholungen5.000 €4.780 €
Fiktive Werte zur Darstellung der Rechenlogik, nicht als Vergleichswerte geeignet.

Bei 60 Tonnen gewinnt B, bei 20 Tonnen A. Der Tonnenpreis allein sagt es nicht, die eigene Menge entscheidet. Deshalb geben Sie in der Anfrage die Struktur vor: belegte Mengen und Qualitäten je Fraktion, Einzelpreise getrennt nach Miete, Transport und Verwertung, für Wertstoffe eine Preisformel aus Sorte, Referenzpreis, Stichtag und Abschlag statt eines Tagespreises, und eine Regel für Abzüge. Das ist für Entsorger angenehm, weil sie präzise kalkulieren können. Am Ende zählt das Gesamtergebnis aus Vergütung, Service, Dokumentation und Verlässlichkeit. Wie Sie eine solche Ausschreibung von Entsorgungsdienstleistungen aufsetzen, haben wir in einem eigenen Beitrag beschrieben.

Ein häufiges Bild in gewachsenen Strukturen: mehrere Entsorger für dieselbe Fraktion, zu unterschiedlichen Preisen, jeder zu seiner Zeit und aus gutem Grund beauftragt. Ob 260 oder 290 Euro je Tonne der bessere Preis ist, lässt sich erst sagen, wenn die Leistung dahinter beschrieben ist: Fährt der eine mit Umleerfahrzeug, der andere mit Absetzer? Welche Behälter, welche Frequenz? Erst damit werden Preise vergleichbar.

Warum es nicht reicht, den Preis zu drücken

Der naheliegende Weg ist die Nachverhandlung: ein paar Euro weniger je Tonne, oder gleich ein günstigerer Anbieter. Wir raten davon ab, jedenfalls als einzigem Hebel, und zwar aus vier Gründen.

Es ist der falsche Hebel. Der Tagespreis für Wertstoffe hängt am Index, und der bewegt sich jeden Monat. Was Sie heute herausverhandeln, hat der Markt nächsten Monat überholt. Was bleibt, sind Abschlag, Sorte, Stichtag und Einzelpreise, und die verhandelt man mit einer sauberen Anfrage, nicht am Telefon. Und solange die Strukturen im Betrieb nicht stehen, also Trennung, Behälter und Leistungsbeschreibung, verschiebt eine Nachverhandlung das Thema nur. Stehen sie, ist die Ausschreibung der richtige Moment, und dann lohnt sie sich richtig.

Gute Leistung hat ihren Preis. Ein Entsorger, der pünktlich kommt, passende Behälter stellt, sauber dokumentiert und einen erreichbaren Ansprechpartner hat, braucht dafür eine Marge. Wo der Zuschlag allein über den Tonnenpreis fällt, zeigt sich der Unterschied später an anderer Stelle: bei der Erreichbarkeit, beim Behälterwechsel, bei der Dokumentation. Und das kostet am Ende mehr als die paar Euro je Tonne. Regionalität, Geschwindigkeit und Verlässlichkeit gehören deshalb genauso in die Bewertung wie der Preis. Wir sagen es in Projekten so: Wir wollen nicht den letzten Euro nachverhandeln, wir brauchen einen Entsorger, der für uns funktioniert.

Die Verantwortung bleibt bei Ihnen. Nach §§ 7, 15 und 22 KrWG sind Sie als Erzeuger für Ihre Abfälle verantwortlich, bis sie ordnungsgemäß verwertet oder beseitigt sind. Deshalb gehört zu jeder Preisentscheidung die Frage, ob der Entsorger genau diese Abfälle annehmen darf und wie er sie verwertet. Das EfB-Zertifikat ist der Anfang dieser Prüfung, nicht ihr Ende.

Die eigenen Hebel sind größer. 20 Euro weniger je Tonne auf 200 Tonnen Mischschrott bringen 4.000 Euro im Jahr. Der Sortenabgleich von weiter oben bringt im Beispiel 46.200 Euro, die Feuchtereduktion 3.500 Euro, und beides bleibt, solange der Prozess steht. Menge, Qualität und Logistik liegen in Ihrem Betrieb, und jeder dieser Hebel macht dem Entsorger die Arbeit leichter.

Das Ziel ist also kein möglichst niedriger Preis, sondern ein Vertrag, bei dem beide wissen, wofür sie bezahlen, und bei dem der Entsorger über die Laufzeit motiviert bleibt.

Was das in Summe bedeutet

HebelTypische GrößenordnungAufwand
Vollkosten je Tonne erfassenGrundlage für alles Weitereeinige Tage
Logistik anpassendrei- bis vierstellig je Fraktion und JahrBehälter, Presse
Wertstoffe getrennt erfassenvier- bis fünfstellig pro JahrBehälter, Schulung
Sorte und Material abgleichenfünfstellig pro JahrMaterialanalyse
Abschlag und Abzüge verstehenvier- bis fünfstellig pro JahrAuswertung, Beprobung
Abfall vermeidenabhängig vom Materialwert, oft der größte HebelProzessanalyse
Auf Faktenbasis ausschreibenfünfstellig pro JahrVorbereitung der Unterlagen

Die Größenordnungen stammen aus Projekten in der metallverarbeitenden Industrie. Was in Ihrem Betrieb möglich ist, wissen Sie erst, wenn Sie Ihre eigenen Zahlen durchgerechnet haben.

Fünf Fragen für den Einstieg

  1. Kennen Sie Ihre Vollkosten pro Tonne je Fraktion?
  2. Welche Fraktion hat den höchsten Logistikanteil, und wie voll sind die Behälter bei der Abholung?
  3. Steht die Materialsorte im Fertigungsauftrag, und passt die Sortenbezeichnung beim Entsorger noch zum heutigen Material?
  4. Wie hat sich Ihr rechnerischer Abschlag in den letzten sechs Monaten entwickelt?
  5. Welcher Anteil Ihres eingekauften Materials verlässt den Betrieb als Produkt?

Wo Sie bei einer Frage ins Stocken kommen, ist meistens der beste Startpunkt.

Der nächste Schritt: Inspiration für Ihre Einsparungen

Wenn Sie die Hebel selbst angehen wollen, ist der Abfall-Werkzeugkasten das Richtige. Das ist unser Online-Abo für Betriebe, die ihr Abfallmanagement selbst in die Hand nehmen, und es besteht aus vier Teilen. Die Monatsmail bringt Ihnen jeden Monat einen konkreten Hinweis, wo sich im Betrieb Geld holen lässt und was gerade ansteht. Die Lernplattform ANNA enthält Vorlagen, Checklisten und Erklärvideos, für die Ausschreibung zum Beispiel Leistungsbeschreibung, Preisblatt, Bewertungsmatrix und Entsorgervertrag, dazu ein Modul zu Optimierungsprojekten. Das digitale Fachlexikon Freddie erarbeitet mit Ihnen den Lösungsweg für Ihren konkreten Fall, jede Antwort mit Quelle, direkt umsetzbar in Ihrem Betrieb. Und wo die digitalen Hilfsmittel enden, übernimmt ein Mensch: Fachfragen beantworten wir über den Experten-Mailservice.

Oder Sie möchten erst einmal wissen, was bei Ihnen in Summe drin ist. Dafür gibt es unsere kostenlose Potenzialanalyse. Sie bekommen die bezifferte Potenzialsumme für Ihren Betrieb und eine Gesamteinschätzung zur Rechtskonformität, und wir besprechen beides mit Ihnen in einem persönlichen Termin.

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